Der Riesling war ein Grauburgunder - die lustigsten Bewertungen von Weinrestaurants

In Deutschland sind die meisten Weinrestaurants in den einschlägigen Bewertungsportalen des Internets gut bis sehr gut bewertet. Kein Wunder, wer sich mit Wein und Kulinarik auskennt, hat normalerweise auch ein Gespür für Service und Interieur. Doch manche Häuser verweigern sich beharrlich einer Vervollkommnung ihrer Gastlichkeit. So gehen die Gastronomen nicht immer angemessen mit den kredenzten Rebensäften um, wie diese fein beobachteten Ausführungen aus Bewertungsportalen illustrieren:

„Der Wein wurde uns mit geschlossenem Korken (!) auf den Tisch gestellt.“  (Lübeck)

„Die offene Küche wurde, während wir unseren Wein tranken, mit starken Putzmitteln gereinigt. Ein süffiger Wein mit Putzmittel in der Nase macht einer Weinwirtschaft aber wirklich keine Ehre.“ (Sachsen)

„Der Rotwein wurde vom Kellner so zügig ausgeschenkt, dass er einmal auf der Tischdecke landete und einmal auf dem Kleid meiner Frau, die nicht ausgetauscht wurde.“ (Franken)

Apropos Austauschen: Nicht selten kommt es zu echten Verwechslungen, was die Freude der Gäste nicht eben hebt:

„Ein in der Karte stehender Riesling stellte sich als Grüner Veltliner dar. Laut Servierkraft sei es die gleiche Rebsorte!!!“ (Lübeck)

Im Rheinischen offenbarte sich dank erfahrener Zungenfertigkeit:

„Der Riesling war ein Grauburgunder.“ (Bonn)

Immerhin etwas Positives konnten diese Rezensenten entdecken:

„Abschließend sei festgestellt, dass die von uns gewählten Weine für 30-40 EUR pro Flasche lediglich Mittelmaß waren. Dafür hatten sie aber praktische Schraubverschlüsse.“ (Leipzig)

„Der Service wirkte erfrischend unprofessionell.“ (Rheingau)

„Es schmeckt nicht schlecht, da es eigentlich nach nichts schmeckt.“ (Hamburg)

Überhaupt, am kulinarischen Angebot sind mitunter noch an ein paar Stellschrauben zu drehen, wie diese Bewertungen nahelegen:

„Das gereichte Weißbrot zeigte knusprige Alterserscheinungen.“ (Hannover)

„Die Trüffel waren völlig geschmacklos. Den Menschen am Nebentisch wurde empfohlen, die Trüffel länger im Mund zu behalten, damit sich der Geschmack entwickelt. Das habe ich noch nie gehört.“ (Hamburg)

„Der Texter der Karte verdient ein fürstliches Gehalt, denn mit dem Schund, was auf unseren Tellern landete, hatte sie nichts gemeinsam. Meine Ente hatte dann labbrige Haut und sollte wohl ein weiteres Mal getötet werden.“ (Sachsen)

„Die Muscheln waren betagt, dafür der Wein zu jung!“ (Hamburg)

In diesem Beispiel wurde nicht nur die Form der lieblosen Darbietung kritisiert, sondern gleich auch ein psychologisches Gutachten erstellt:

„Die Käsestangen wurden in einer Plastikschale serviert!!! Anwesend waren als Gäste nur noch ein Pärchen und außer der Kellnerin ein sichtlich antriebsgestörter Besitzer.“ (Bremen)

Die folgenden Würdigungen lassen keine weiteren Fragen aufkommen:

„Nach der Karte wusste ich: Der Koch ist faul.“ (Bonn)

„Wenn man die Weinkarte genauer ansieht, dann findet man die Weine auch beim Edeka wieder.“ (Sachsen)

„Bitte das Wort ‚Weinhaus‘ vom Namen entfernen!” (München)

„Im Wein war ein Glassplitter; als wir uns beschwerten, meinte die Geschäftsführerin, sie wolle uns nicht mehr sehen... uns ging es genauso.“ (Thüringen)

Im Unterschied dazu gestaltet sich die Interpretation dieses Gelästers besonders gegen Ende schwieriger:

„Mir wurde ein quasi untrinkbarer 200-Euro-Burgunder empfohlen, der nach Kuhfladen geschmeckt hat! Landjugend und Zigarettenbürscherl halt, die groß mitspielen wollen mit ihren kulinarischen Mofas!“ (Österreich)

Mitunter fließen auch Stellungnahmen zu architektonischen Gegebenheiten der Weinrestaurants in die Gesamtbewertung mit ein:

„Alleine schon die alte, enge Treppe in den Gastraum auf der 1. Etage ist ein Erlebnis - hoch, als auch runter. Betrunken erfordert sie ein wenig Konzentration.“ (Rheinland)

„Unser Tisch war direkt an der Eingangstür, wo ein schwerer Vorhang hing. Es entbehrte nicht eines gewissen Spaßeffektes, wenn durch den Türvorhang ein neuer Gast unmittelbar vor unserem Tisch auftauchte. Das war so wie in einem Kasperletheater.“ (Sachsen)

Wesentliche Elemente des Interieurs eines Weinhauses sind naturgemäß die Tische. Auch dazu gibt es engagierte Stellungnahmen:

„Die Tische im Außenbereich würden sich über eine Wurzelbürstenbehandlung freuen.“ (Hannover)

„Der Tisch klebte großflächig durch ein verschüttetes Bier-Wein-Cola Gemisch und hielt meine versehentlich abgelegte Hand beharrlich gefangen. Die Ränder der Gläserböden fügten sich konturenstark ins Marmordesign ein.“ (Lübeck)

Doch nicht immer gelingen den Bewertern derartig sprachlich elegante Preziosen, wie das letzte Beispiel zeigt. Da heißt es wortwörtlich:

„Wir hatten eine telefonische Renovierung vorgenommen.“ (Lübeck)

Ingo Konrads

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