Die Pfalz liegt in Südafrika - Neue lustige Bewertungen von Weinrestaurants

In Deutschland sind die meisten Weinrestaurants in den einschlägigen Bewertungsportalen des Internets gut bis sehr gut bewertet. Kein Wunder, wer sich mit Wein und Kulinarik auskennt, hat normalerweise auch ein Gespür für Service und Interieur. Doch manche Häuser verweigern sich beharrlich einer Vervollkommnung ihrer Gastlichkeit, wie diese neuen Preziosen aus Bewertungsportalen eindrucksvoll illustrieren.

So ließ zum Beispiel die Prophezeiung eines Gastes an der Mosel nichts Gutes hoffen: 

„Nachdem ich das Restaurant betrat, ahnte ich schon: hier wirst du nicht glücklich.“ (Trier)

Der stilsichere Umgang mit Wein will gelernt sein, wie man hier lesen kann:

„Drei aus der Weinkarte bestellte Weine waren dann nicht vorhanden. Daraufhin erklärte der Patrone, er würde uns statt eines Chianti einen nahezu gefrorenen Montepulciano preiswerter anbieten.“ (Düsseldorf)

„Witzig, dass denen an 'nem Freitagabend der Wein ausgegangen ist und jemand noch schnell für ne Flasche losflitzen musste, aber kann ja mal passieren. Gut, mit ein paar Eiswürfeln ist das Problem des warmen Weines auch wieder gelöst.“ (Hamburg)

„Die Weinkarte bekommt man erst auf Nachfrage, dafür liegt Werbung für eine organisierte Busreise zur Krombacher-Brauerei aus ...ähm...ja...“ (Lübeck)

„Einer Bekannten wurde ein Rosé aus Südafrika empfohlen. Auf ihre Nachfrage, ob die Pfalz denn jetzt in Südafrika liege (denn das stand auf der Flasche) wurde ihr gestanden, dass sie den Rosé aus Südafrika gar nicht offen dahaben. Was soll sowas?“ (Hamburg)

Es kommt zuweilen vor, dass Fragen nach einem gelungenen Foodpairing nicht erschöpfend beantwortet werden:

Gast: "Was können Sie mir denn zum Kalb empfehlen?"
Servicekraft: „Ach, zum Kalb, zum Kalb passt eigentlich alles." (Forst)

Spontanes Umbestellen wird nicht überall gutgeheißen:

„Unsere weibliche Begleitung wollte im Restaurant (wir hatten bereits 3 Mal 12 Gänge geordert) eine Speise aus der Bar bestellen. Das war nicht möglich. Auf ihre Bitte zu tauschen, empfahl uns der Sommelier, die Dame zu tauschen.“ (Berlin)

Mitunter gab es Grund zur Klage über einen zu hohen Lärmpegel:

„Das Ganze war überlagert mit lauter Radiomusik (uz-uz-uz).“ (Mainz)

„Ich hatte zur Feier unseres Hochzeitstags im Weinhaus reserviert. Es war laut. Unglaublich laut. Ich musste meinen Mann fast anschreien, dass dieser mich hörte. Das wollte ich eigentlich ausnahmsweise am Hochzeitstag unterlassen.“ (München)

„Am Nachbartisch erzählen sich ein Schweizer und ein Schwabe gerade lautstark schmutzige Witze. Hört sich in deren Dialekt allerdings recht jugendfrei an.“ (Frankfurt a.M.)

Nicht immer entsprechen die eingesetzten Servicekräfte den Erwartungen der Gäste. Mal sind sie zu farbenfroh…

„Mittags servieren freundliche Bedienungen mit bunter Körperbemalung hier herrliche dreigängige, italienisch angehauchte Mittagsmenüs.“ (Hamburg)

Mal sind es zu wenige…

 „Es gab exakt eine Kellnerin.“ (Hannover)

Mal sprühen sie vor Inkompetenz…

„Ein Weinkellner sollte in der Lage sein, eine Flasche Sekt zu öffnen, ohne die Gäste nass zu spritzen. Des Weiteren ist es bei den Ansprüchen des Hauses ungewöhnlich, den Gästen Tabletts an den Kopf zu stoßen.“ (Köln)

Mal lassen sie zu lange auf sich warten:

„Nach weiteren 10 Minuten konnten wir die Bedienung auch für unsere Essensbestellung gewinnen.“ (Leipzig)

„Der Kellner war so langsam, dass für uns keine Möglichkeit bestand, betrunken zu werden.“ (Köln)

Gelegentlich zeigt das Personal eine beinahe kriminelle Energie:

„Der Kellner ließ beim Abräumen ein Messer in den Rücken meiner Schwester fallen.“ (Frankfurt a.M.)

Vernichtend und gleichzeitig entlarvend ist diese Kritik eines Gastes aus Düsseldorf:

„Kellner, die Ihren Platz in dieser Welt nicht kennen und glauben, sie dürften gegenüber ihren Gästen arrogant auftreten, weil sie sich gerade einen weißen 3er BMW geleast haben:“ (Düsseldorf)

Aber auch über die Inhaber eines Gasthauses gibt es hin und wieder Klagen, denn manche sind offensichtlich nie um Ausreden verlegen:

„Der Geschäftsführer erläuterte, dass es nirgendwo stehen würde, dass man das Essen gleichzeitig bekommt, es gäbe nämlich Gäste, die das Essen nicht gleichzeitig bekommen WOLLEN.“ (Frankfurt a.M.)

Qualität und Menge der bestellten Produkte geben urteilssicheren Restaurantbesuchern von Zeit zu Zeit Gelegenheit, ihre Sprachkompetenz unter Beweis zu stellen:

„Trostlos übergart lümmelte sich der Fisch auf einem lieblosen Gemüsebett herum. Meine Frau überließ ihn nach drei Happen seinem Schicksal.“ (Dresden)

„Die Salzkartoffeln waren ‚al dente‘ - und mit diesen unwiderstehlichen fünf gefriergetrockneten Kresseflocken garniert.“ (Trier)

„Es war so wenig auf dem Teller, dass die drei gebutterten und gerösteten Toastscheiben einen gewissen Trost auslösten.“ (Hamburg)

Die Wartezeit auf Speis und Trank veranlasst manche Zeitgenossen zur liebevollen Beschreibung des In- und Exterieurs: 

„Die Fliegen in den mit Spinnweben zugewachsenen Wandlampen reduzieren romantisch das Licht.“ (Rheingau)

„Die Bepflanzung der Balkonkästen mit gelben Stiefmütterchen war nicht gerade sommerlich.“ (Travemünde)

Auch olfaktorische Herausforderungen wollen gemeistert werden:

„Der Geruch aus den Toiletten ist bisweilen schon etwas unschön.“ (Hamburg)

Die Schlussbetrachtung nach solch eigentümlichen Erlebnissen fällt dann folgerichtig nicht immer zum Besten aus:

„Setze ich Preis und Leistung in Beziehung, kommt für mich ein Wert heraus, der zwar größer Null, aber immer noch kleiner Eins ist.“ (Hamburg)

„Gehen Sie bitte weiter! Hier gibt es nichts zu sehen oder zu schmecken.“ (Lorch)

„Diese Weinbar ist vom Angebot her eher eine Minibar“ (Hamburg)

„Ich würde das Haus nicht Ihnen empfehlen, sondern Ihren Feinden.“ (Köln)

„Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen Pächterwechsel.“ (Stuttgart)

Dem schlüssigen Resümee des bereits oben zitierten Düsseldorfer Kritikasters ist dann auch nichts mehr hinzuzufügen:

„Wahrscheinlich wurden wir auch nicht ernst genommen, weil meine Frau keine aufgespritzten Lippen hat.“ (Düsseldorf)

Ingo Konrads

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