"Wein-Comedy? Un was isch des jetz genau?"

Prominenter Gast an meinem Messestand: Jochen Malmsheimer (Foto: Uwe Rössler)

Zur „Internationale Kulturbörse Freiburg“ kommt jedes Jahr Ende Januar das bunte Völkchen der Kabarettisten, Musiker, Akrobaten, Kleinkünstler und sonstigen Kulturschaffenden zusammen. Auch ich bin mit meinem Messestand vertreten und biete dort meine Wein-Comedy-Programme an. Obwohl fast nur Fachpublikum in den Messehallen unterwegs ist, können sich nur wenige Besucher etwas unter Wein-Comedy vorstellen. Dabei ist es so einfach…

Gut, die Messestände in Halle 2 sind nicht thematisch sortiert. Das macht die Situation für den interessierten Besucher nicht eben leicht. Er kann innerhalb von wenigen Metern auf einen Magier treffen („Ziehen Sie bitte eine Karte aus dem Stapel“), auf eine französischen Straßenmusikerin
(„Isch abe ein Potpürri dabei.“), ein Puppentheater („Du, wir arbeiten da gerade an einer geilen Nummer über Mülltrennung“) oder auf einen Pantomimen („…“).

Mittendrin die Agenturen, Maschinenmenschen, Stelzenläufer, Freaks und 50er-Jahre-Figuren. Und ich. Mit meinen neongrünen Scheinwerfern, dem Holzstehtisch mit Barhocker und dem Rollup mit dem aktuellen Programm „Freunde schöner Göttertropfen.“ Gespannt warte ich auf Kunden. Die ersten kommen, betrachten von weitem mein Logo und formen mit ihren Lippen stumm das Wort „Wein-Comedy“, während sich gleichzeitig ein großes Fragezeichen auf der Stirn materialisiert. Habe ich den Augenkontakt einmal hergestellt und ein freundliches Lächeln in Richtung der oder des Uneingeweihten geschickt, kommt es zum ersehnten Erstkontakt, der immer eingeleitet wird mit der häufig badisch-sympathisch formulierten Frage: „Wein-Comedy? Un was isch des jetz genau?“ 

Ich pflege dann meine Erklärung immer so einzuleiten: „Sie kennen doch sicher Eckart von Hirschhausen. Der macht Medizin-Comedy. Vince Ebert macht Physik-Comedy und ich mache eben Wein-Comedy. Also Comedy ausschließlich mit Wein-Themen.“ Wer möchte, wird dann noch weitergehend informiert. Nach einigem Wiederholen habe ich dieses normierte Antwort- und Erklärungsverfahren perfekt drauf und bin gerüstet für täglich neun Stunden Kundenberatung auf der Messe.

Am ersten Abend habe ich mir ein Bierchen verdient. Wie es der Zufall will, verteilen ein paar prominente Kollegen gegen eine Spende für einen guten Zweck Flaschenbier am Stand des Ruhrgebiets-Bier-Dealers „Getränke Drautz“ (Firmenmotto: „Kompetenz in Sachen Kompetenz.“). Hier ergreife ich dann die Gelegenheit, mit Julia Gámez Martin von „Suchtpotenzial“, Jochen Malmsheimer und Georg Schramm ein Bier zu zischen. Nein, Wein gibt es leider nicht. Der gehört nicht zu den indigenen Getränken der Menschen im Revier.  

Am nächsten Morgen stehe ich wieder frisch an meinem Messestand. Plötzlich steuert Eckart von Hirschhausen auf mich zu und will wissen, was Wein-Comedy eigentlich genau ist. Ich beginne so: „Sie kennen doch sicher Eckart von Hirschhausen…“

Ingo Konrads

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